Wildtiere

Im Frühjahr werden wieder vermehrt Wildtierbabys gefunden. Leider werden durch Unwissenheit im Umgang mit dem Wildtier Fehler gemacht, die im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres führen können. Wir möchten an dieser Stelle eine kleine Hilfe geben, was beim Fund eines Wildtieres beachtet werden muss und wie man sich verhalten sollte.

Wenn man ein Wildtierbaby findet, das keine Verletzungen hat oder durch Katzen und Straßenverkehr gefährdet ist, sollte man es zunächst am Fundort belassen und auf keinen Fall anfassen. Aus dem Nest gefallene oder verirrte Wildtierbabies werden häufig von den Eltern beobachtet und sobald die Gefahr (meistens der Mensch) verschwunden ist, werden sie wieder “abgeholt”. Nur ein Tier, das verletzt ist oder sich in Gefahr befindet, sollte vorsichtig aufgehoben und beim Tierarzt abgegeben werden, damit es dort fachkundig versorgt und an die entsprechenden Aufzucht- und Auswilderungsstellen weitergegeben werden kann.

 

Sollten Sie ein Kaninchenbaby finden, schauen Sie nach, ob es schwarze Ohrspitzen hat. Sind diese vorhanden, handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein Kaninchen, sondern um ein Feldhasenbaby. Feldhasenmütter setzen ihre Jungen an verschiedenen Orten ab und kommen nur zum Säugen zurück. Ein vermeintlich einsames Tier muss kein hilfsbedürftiger Waise sein und sollte über einige Stunden beobachtet werden, bevor es in menschliche Obhut genommen wird.

 

Gerade im Frühling werden auch vermehrt junge Eichhörnchen gefunden oder von Hauskatzen mitgebracht. Leider werden auch oft Bäume gefällt oder ausgeschnitten, in denen sich die Nester (Kobel) befinden. Die Jungtiere überleben meist den Sturz, aber die Elterntiere sind häufig so verschreckt, dass sie flüchten und ihre Jungen zurücklassen. Oft fallen die kleinen Kobolde auch bei den ersten selbstständigen Kletterversuchen aus dem Nest und irren dann unter Bäumen oder in Gärten herum. Auch bei Eichhörnchen sollte man erst beobachten, ob ein Elterntier in der Nähe ist und das Jungtier wieder ins Nest gebracht wird, oder ob es sich wirklich um ein verwaistes Jungtier handelt. Sollte dies der Fall sein, suchen Sie bitte am Fundort nach Geschwistertieren.

 

Egal um welche Art Säugetier es sich handelt, keinesfalls darf das Jungtier mit Kuhmilch gefüttert werden! Dies führt zu schwersten Durchfällen und meist zum Tod des Tieres. Als Erste Hilfe kann man den Tieren abgekochtes Wasser mit etwas Traubenzucker anbieten und sie möglichst in einem dunklen Karton mit einer kleinen Decke oder etwas Heu unterbringen. Für ein Wildtier ist es unglaublicher Stress, von Menschen berührt zu werden oder sich in ihrer Nähe aufzuhalten. So niedlich die kleinen Kerlchen auch sind, es sind Wildtiere und sie sollten nur so wenig wie unbedingt nötig angefasst werden. Muss ein Tier in menschliche Obhut genommen werden, sollte man immer als oberstes Ziel haben, das Tier wieder in seinen natürlichen Lebensraum zurück bringen zu können. Ist ein Wildtier so verletzt, dass Schäden zurückbehalten werden könnten, die eine Auswilderung unmöglich machen, sollte man das Tier erlösen. Immer häufiger werden gerade Eichhörnchen als Haustiere angeboten, da sie so niedlich anzusehen sind. Diese Tiere werden leider extra dafür gezüchtet und kennen mittlerweile über Generationen die Haltung in Volieren oder Käfigen. Ein Eichhörnchen, dessen Eltern frei leben und das in Freiheit geboren wurde, muss wieder dorthin zurückgebracht werden. Die bewegungsfreudigen Tiere stumpfen in Gefangenschaft ab, entwickeln schwere Verhaltensstörungen und sterben. Auch Feldhasen sind keine Zwergkaninchen, Ernährung und Anforderungen an den Lebensraum unterscheiden sich von denen unserer Hauskaninchen. Immer wieder liest man, dass Wildkaninchen oder Feldhasen im Käfig gehalten werden, weil sich die Finder nicht von ihnen trennen können und sich die Tiere angeblich auch in Gefangenschaft wohl fühlen. Wer sich einmal die Mühe macht, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und miterlebt, welch großen Bewegungsdrang sie haben, wird verstehen, dass es Tierquälerei ist, ein gesundes Wildtier zur menschlichen Belustigung in Gefangenschaft zu halten. Ein Wildtier gehört in erfahrene Hände, die sich auch mit der Auswilderung auskennen und dem Tier ein Leben in Freiheit ermöglichen können.

 

Wenn Sie ein Wildtier gefunden haben, das Hilfe benötigt, wenden Sie sich an uns.